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ÜBERSETZUNGSBÜRO JUTTA KREIENBAUM
JURISTISCHE UND TECHNISCHE FACHÜBERSETZUNGEN
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Fluch oder Segen durch Nutzung von KI
Veröffentlicht von Jutta Kreienbaum, Diplom-Übersetzerin (FH) in CAT-Tools und KI · 26 Oktober 2022
Tags: VorundNachteilebeiNutzungvonKI
Man muss nicht unbedingt ein Retro-Fan sein, um festzustellen, dass nicht alles, was neu ist, auch gut ist. Auf der anderen Seite gehöre ich ebenfalls nicht zu den Leuten, die sich gegen jede neue Technik sperren, sofern sie uns Vorteile bietet. Dennoch sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass es nicht immer gut ist, jedem neuen Trend nachzueifern und gleich auf jeden Zug aufzuspringen, wenn man nicht weiß, wohin die Reise geht.

Erstes Beispiel: Spracheingaben im Auto oder am Telefon. In manchen Fällen funktioniert sie ganz gut, in anderen wieder gar nicht :-) Will sagen: wenn ich im Auto per Sprachsteuerung einen Befehl gebe und gefühlte hundert Mal die Antwort höre "ich verstehe Sie nicht", dann liegt es nicht daran, dass ich gerade ein Handtuch im Mund habe!! Dieses Resultat ist allerdings nur ärgerlich und nicht weiter tragisch. Schlimmer kann es werden, wenn die Sprachsteuerung etwas völlig anderes versteht als ich sage und zum Beispiel bei meinem heimlichen Verehrer anruft statt die Nummer des Tierarztes zu wählen! Das nicht nur befremdlich, sondern kann auch ganz schön peinlich werden und in einer Katastrophe enden...

Zweites Beispiel: Früher gab es am Wochenende keine Schlangen vor Leergutautomaten! Warum? Weil es keine Automaten dafür gab, sondern man sein Leergut ganz einfach dem netten Verkäufer übergab, der einem entweder das Geld oder eine Bon als Gutschrift dafür in die Hand drückte. Heute, wo es jeder immer eilig hat, schäume ich bald vor Wut, wenn ich auf Mitmenschen treffe, die wie Messies offenbar 6 Monate lang ihr Leergut sammeln, um dann - wie könnte es auch anders sein - am Wochenede den Leergutautomaten des Supermarktes damit zu füttern (möglichst nicht in Kisten, sondern in Form einzelner Flaschen, damit die wartenden anderen Kunden mindestens eine halbe Stunde Zeuge dieses wichtigen Vorgangs werden können!

Drittes Beispiel: Maschinenübersetzung bzw. künstliche Intelligenz im Übersetzungsprozess

Einen meiner gröbsten Schnitzer als Berufsanfängerin werde ich wohl nie vergessen: Statt die korrekte Firmierung Müller Schweißtechnik zu verwenden, stand dort in der Rohübersetzung "Müller Scheißtechnik" - zwar nur ein Tippfehler, der aber beim Einsatz von KI enorme Folgen haben kann, über die der Kunde sicher "not very amused" gewesen wäre! Jeder Übersetzer liest seine Übersetzung korrektur oder lässt sie durch einen Kollegen korrekturlesen. Spätestens bei diesem Schritt würden solche Fehler auffliegen. Und was macht KI? Egal, dann wird die Scheißtechnik eben in mind. 30 Sprachen ungefiltert übertragen... Auch würde es keinem gewissenhaften Kollegen entgehen, wenn z.B. in einem technischen Text "atomare Steuerung" zu lesen ist, obwohl nach dem Kontext zu urteilen hier eigentlich eine "automatische Steuerung" gemeint war. Auch in diesem Fall wird KI nicht nachfragen, sondern diesen Blödsinn in alle Zielsprachen übersetzen. Weiteres lustiges Beispiel fanden wir in einer Bedienungsanleitung für einen Laubbläser. Keiner von uns konnte sich vorstellen, was wohl mit einem "geschienten Rohr" gemeint war - im Englischen wiedergegeben mit "railed tube"! Tatsächlich war damit ein Rohrbogen mit einer Wulst gemeint, der in den entsprechenden Laubfangsack führt. Dies ist ein Paradebeispiel dafür, wie aus einem einzigen Fehler in einer einzigen Sprache eine Vervielfachung dieses Fehlers werden kann. Sicherlich ließen sich noch unzählige weitere Beispiele für solche Fehlbenennungen finden.



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